Projektidee
Projektidee und Fortentwicklung Aktueller Stand Ende 2014

Schon 2006 hatten wir die Überlegung, in der Optimierung der Rettungskette auch den öffentlich und somit für "Laien" zugängigen AED einzusetzen. Es gab einige Erschwernisse in der Umsetzung - Standortfragen, logistische Probleme und nicht zuletzt auch die Finanzierung. Die AED´s sollten einigermaßen vandalismussicher untergebracht sein. Dringlich ist eine telefonische Verbindung zur Rettungsleitstelle. Von dieser wird nach Abfragen der Notfalldaten die Öffnung des AED Kastens freigegeben. Bei gutem Mobilfunknetz genügt bei der weiten Verbreitung von Mobiltelefonen heute an den meisten Standorten die Verwendung von einfachen Aufbewahrungskästen ohne Telefonanschluss. Kostenersparnis!

Zu den Kosten: Ein AED kostet brutto ca. 1.500€, ein "Inhouse" Aufbewahrungskasten ohne Telefonanschluss ca. 200€, mit Telefonanschluss ca. 500€. Ein Kasten an der Außenseite eines Gebäudes kostet 1.500 bis 2.000€ (stabileres Gehäuse, Heizung und telefonischer Verbindung zur Rettungsleitstelle). Die Folgekosten betreffen vorwiegend die Gerätewartung. Sie sind von AED zu AED verschieden, zusätzlich bei Einzelanschluss auch Telefonkosten, unbedeutende Stromkosten. Bei den in unserer Region verwendeten AED´s sind alle 2 Jahre für Akku und 2 Paar neue Klebeelektroden 142€ fällig. Ideale Standorte sind die Vorräume der Bankfilialen.

Einen neuen Anschub bekam die AED Installation durch die Theatergesellschaft in Simmerberg (Markt Weiler im Allgäu-Simmerberg-Ellhofen). Die Einnahmen aus der letzten Vorstellung des Stückes "Saison in Salzburg" am 10. Januar 2013 in der Turnhalle in Simmerberg - 257 zahlende Besucher à 10 € - waren das Startkapital für die Anschaffung von 2 AED´s. Weitere Sponsoren unter anderem Vereine, Firmen, Privatpersonen und das ärztliche Gesundheitsnetz Westallgäu (GNW) stockten den Betrag auf insgesamt 7.767€ auf. Damit konnten 2 AED´s angeschafft werden und zusätzlich eine intensive Schulung von Personen im unmittelbaren Umfeld der Defibrillatoren. Ein Defibrillator wurdel am Feuerwehrhaus im oberen Ortsbereich und ein zweiter im Ortszentrum im Vorraum der Sparkassenfiliale untergebracht werden. Beide Standorte sind mit einem Telefon mit direkter Verbindung zur Leitstelle ausgestattet.

Weitere 12 AED´s wurden im oberen Kreisgebiet durch großzügiges Sponsoring der Banken (RAIBA, Volksbank und Sparkasse) mit über 15.000€ angeschafft. Standorte sind jeweils die Eintrittsbereiche der Banken. Eigner dieser AED´s sind die jeweiligen Kommunen. Ein lokaler Gerätebeauftragter sorgt für die Einsatzbereitschaft des AED´s. Standorte siehe Startseite.

Projektidee Stand 2006
Der "Plötzliche Herztod" ist in Ländern mit einer westlichen, "modernen" Lebensweise ein allgegenwärtiges Problem. 125.000 Menschen sterben allein in der Bundesrepublik am "Plötzlichen Herztod". Es wird kaum jemanden geben, der nicht in seinem näheren oder weiteren Umfeld schon einen lieben Menschen durch den Plötzlichen Herztod verloren hat.

Es vergeht auch kaum eine Woche, in der nicht in den Medien vom plötzlichen Tod eines Sportlers berichtet wird. "... in der Kabine zusammengebrochen, ... Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, ... Beim Aufwärmen bewusstlos geworden ...." und so weiter.

Aktuell am 21. Dezember 2014: Plötzlicher Herztod von Udo Jürgens. Beim Spaziergang plötzlich leblos zusammen gebrochen.

Rettungskette
  • Erkennen des Herz-Kreislaufstillstandes
  • Alarmierung
  • Sofortiger Beginn mit Thoraxkompression
  • Defibrillation (AED)
  • Erweiterte Maßnahmen
 

Wir Beide, Roman Gaisser und Dr. Bernd Ferber, arbeiten seit Jahren im Rettungsdienst und im Akutkrankenhaus. Roman Gaisser wurde zu vielen Menschen mit plötzlichem Herztod gerufen. Der Reanimationserfolg stellte sich oftmals nicht ein. Die wenigen Patienten, bei denen die Herz-Kreisreislauf Funktion wieder hergestellt werden konnte,  wurden dann ins Akutkrankenhaus eingeliefert. Ein Überleben ohne nennenswerte Schädigung des Gehirns war nur in Ausnahmefällen möglich. Die bundesweiten Daten entsprechen auch unserer Erfahrung.

Als schwächstes Glied in der Rettungskette ist das Fehlen einer sofort eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahme auszumachen. Das Fehlen einer minimalen Herz-Kreislauffunktion in den ersten Minuten nach Eintritt des Ereignisses führt zum Hirnschaden durch Sauerstoffmangel.

So reifte bei uns im Jahre 2006 die Idee, im oberen Landkreis Lindau/Bodensee Mitbürgerinnen und Mitbürger, eben Laien, in den Basismaßnahmen der Wiederbelebung zu schulen. Der obere Kreis Lindau zählt ca. 30.000 Einwohner.

In der Marktgemeinde Weiler-Simmerberg mit Ellhofen haben wir das Projekt gestartet:

  • Wir wohnen in der Marktgemeinde und kennen somit die örtlichen Strukturen
  • Weiler-Simmerberg mit Ellhofen ist eine ländliche Flächen-Gemeinde mit ca. 6.400 Einwohnern
  • Die Rettungswache des BRK ist im zentralen Ort Lindenberg (dort ist auch das Dr. Otto Gessler Krankenhaus), Entfernung 7 km

Durchführung der Schulung:

  • Anschreiben an Firmen und Vereine im Gemeindegebiet mit der Bitte um Information an ihre Mitarbeiter und Vereinsmitglieder
  • 2 Schulungsabende für diesen Personenkreis.
  • weitere 3 Schulungen für die Bürgerinnen und Bürger der Marktgemeinde. Insgesamt ca. 550 Teilnehmer
  • nachdem das Projekt Laienreanimation bei der Bevölkerung bekannt geworden war, führten wir die Schulungen im Winter 2007/2008 auch in Lindenberg (2x), Heimenkirch, Röthenbach und Scheidegg durch. Bis zu 175 Teilnehmer nahmen maximal ein einer Schulung teil (Abschlussveranstaltung im Löwensaal in Lindenberg)

Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Laienschulung?

  • Öffentlichkeitsarbeit: Presse, Rundfunk, Flyer, Plakate
  • Einladung über Firmen, Vereine
  • Räumlichkeit: Schulaula, Turnhalle; Platz für Bestuhlung und 10 Schulungspuppen
  • Schulungskräfte: Pro Puppe 2 Mitarbeiter des BRK
Bei den Feuerwehren in den Kommunen und den großen Firmen sind viele Menschen in der Anwendung der Wiederbelebungsmaßnahmen geschult. In besonderem Maße gilt dies auch für alle Helfer und Mitglieder beim BRK und bei der Wasserwacht in Weiler im Allgäu. Auch in der Rotkreuzklinik in Lindenberg/Allgäu sind alle Mitarbeiter von den Pflegekräften und Ärzten bis zum technischen Personal und der Verwaltung  fit in den Basismaßnahmen zur Wiederbelebung.

Mitglieder der Feuerwehr,  Ersthelfer in den Firmen, Sanitäter und alle Mitarbeiter in der Rotkreuzklinik in Lindenberg/Allgäu sind zusätzlich in der Anwendung von Defibrillatoren (sogenannte AED’s) geschult. Neuerdings wurden an den Standorten Wertstoffhof in Weihers, im Kaufmarkt und in der Sparkasse in Lindenberg die dort tätigen Mitarbeiter an der Anwendung eines AED geschult.

Fasst man zusammen, so sind mindestens 2000 Menschen im oberen Kreis Lindau in der Lage, eine Laienreanimation im Falle eines Plötzlichen Herztods zu beginnen, zu organisieren und/oder durchzuführen. Der Mensch hat eine verbesserte Chance zu überleben ohne Schädigung des Gehirns.

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